AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 40/2008

Umweltminister Gabriel kämpft für die deutsche Autoindustrie


Umweltminister Sigmar Gabriel macht der deutschen Automobilindustrie im Streit mit der EU um künftige Abgasvorschriften Hoffnung. In einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL sagte Gabriel: "Es wird nach meiner Überzeugung kein Gesetz geben, das den Vorstellungen des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments entspricht." Das Gremium hatte sich vergangene Woche dafür ausgesprochen, dass Autohersteller im Durchschnitt ihrer Flotte ab 2012 nur noch 120 Gramm pro Kilometer ausstoßen dürfen. Das träfe vor allem die deutschen Autohersteller. Die Empfehlung des Ausschusses wird nach Überzeugung des deutschen Umweltministers "nur dazu führen, dass die Suche nach einem Kompromiss noch länger dauert". Sie werde "neuen Streit entfachen". Gabriel setzt sich für den Vorschlag des Berichterstatters des Umweltausschusses im Europäischen Parlament, Guido Sacconi, ein, der die Einführung der Grenzwerte in einem Stufenmodell bis 2015 vorsieht. Der Umweltminister warnt davor, dass "unter der Überschrift Klimaschutz eine Wettbewerbsauseinandersetzung" geführt wird. Die deutsche Autoindustrie könne "mit ihrer völlig anderen Modellpalette das angestrebte Ziel im Gegensatz zu französischen und italienischen Konkurrenten bis 2012 kaum erreichen". Natürlich gehe es "den Deutschen um die deutsche, den Italienern um die italienische und den Franzosen um die französische Autoindustrie". Aber dann solle man "nicht so tun, als ginge es in erster Linie um den Klimaschutz". Es werde so getan, als ob das Weltklima davon abhängt, ob die Regelung drei Jahre früher oder später zu 100 Prozent kommt. "Das halte ich für völlig absurd", sagte Gabriel dem SPIEGEL.



© DER SPIEGEL 40/2008
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