AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 7/2009

Bundeswehr baut geheime Cyberwar-Truppe auf


Die Bundeswehr wappnet sich mit einer bislang nicht bekannten Einheit für künftige Internet-Konflikte. Nach Informationen des SPIEGEL arbeiten die derzeit 76 Mitarbeiter der im Aufbau befindlichen "Abteilung Informations- und Computernetzwerkoperationen" streng abgeschottet in der Tomburg-Kaserne in Rheinbach nahe Bonn und sollen bis zum kommenden Jahr voll einsatzfähig sein. Die Hacker in Uniform, die unter dem Kommando von Brigadegeneral Friedrich Wilhelm Kriesel stehen und organisatorisch dem Kommando Strategische Aufklärung angehören, trainieren für den elektronischen Ernstfall, wie es ihn zuletzt mit den Cyberangriffen auf Estland und Georgien gab. Die Soldaten, die sich vor allem aus den Fachbereichen für Informatik an den Bundeswehruniversitäten rekrutieren, beschäftigen sich dabei auch mit den neuesten Methoden, in fremde Netzwerke einzudringen, sie auszukundschaften, sie zu manipulieren oder zu zerstören – digitale Angriffe auf fremde Server und Netze inklusive. Parallel investiert die Bundesregierung weithin unbemerkt in die Verbesserung der eigenen IT-Sicherheit. Nach massiven Angriffswellen mit Schadprogrammen auf Bundesministerien und das Bundeskanzleramt im Frühjahr und Sommer 2007, die Ermittler auf Server in der chinesischen Provinz Lanzhou zurückführten, soll nun das Bonner Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu einer Cyberverteidigungsagentur für die Behörden aufgewertet werden. Bereits Mitte Januar verabschiedete das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf zur "Stärkung der Informationssicherheit des Bundes". Danach erhält das BSI mehr Geld, Personal und deutlich erweiterte Befugnisse. So soll es künftig die Datenströme der Behörden automatisiert überwachen und ihnen konkrete IT-Sicherheits-Vorgaben machen – bislang dürfen die Bonner Sicherheitsexperten nur Empfehlungen aussprechen. Bereits Anfang März soll der Bundestag über das Gesetz beraten. Die "besondere Eilbedürftigkeit" ergebe sich aus der "notwendigen Absicherung der Regierungskommunikation", heißt es in der Begründung.



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