AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 5/2000

Millionen-Betrug in der Spielbank Hittfeld


Croupiers, Aufsichtsbeamte und Profispieler aus dem Rotlicht-Milieu haben nach Erkenntnis von Landesbehörden in der niedersächsischen Spielbank Hittfeld über Jahre Millionenbeträge durch Falschspiel ergaunert. Mit einem manipulierten Roulette-Kessel, frisierten Abrechnungen und Jeton-Tricks, so die Ermittler, spielte die Bande mehr als 2,5 Millionen Mark in die eigenen Taschen. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, sollen etwa 15 Mitarbeiter und staatliche Aufseher des Casinos an dem Betrug beteiligt gewesen sein. Trotz zahlreicher Hinweise hätten Aufsichtsbehörde und Geschäftsführung der 1990 verstaatlichten Spielbank "jahrelang versagt", kritisiert ein Ex-Mitarbeiter des Casinos, der die Betrügereien aufdecken half.

So seien beim American Roulette sogenannte Poussateure (Jeton-Schieber) geduldet worden, die ihre Spielchips mit Toupetkleber am Handballen befestigt hatten, um sie nach dem Fall der Kugel auf die richtigen Zahlenfelder zu mogeln. Anfang vorigen Jahres wurde in Hittfeld zudem ein Roulette-Kessel sicher gestellt, an dem einzelne Trennstege zwischen den Zahlenfächern geringfügig erhöht worden waren, um die Spielkugel auf bestimmte Zahlen zu lenken.

Eine Arbeitsgruppe des Innenministeriums soll nun klären, ob und wie weit führende Manager der landeseigenen Spielbanken Niedersachsen GmbH in die Gaunereien verwickelt waren. Nach Schätzung der Fahnder hat der Falschspieler-Ring Land und Kommune um mehr als zwei Millionen Mark aus der staatlichen Spielbankenabgabe geprellt. Die Geschäftsführung der Betreibergesellschaft bestreitet die Vorwürfe.



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