AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 30/2009

SPD-Politiker will freiwillige Selbstkontrolle für Buchhandel


Sebastian Edathy, Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses, will die Verbreitung rechtsextremistischer Bücher über das Internet erschweren. Der SPD-Politiker regt die Gründung einer "freiwilligen Selbstkontrolle" (FSK) des Buchhandels an, die, ähnlich wie in der Filmindustrie, NS-verherrlichende oder volksverhetzende Inhalte im Vorfeld identifizieren und deren Verbreitung verhindern könnte. In der Vergangenheit tauchten immer wieder rechtsextremistische Titel in den Angeboten renommierter Internet-Händler wie Amazon auf, die – oft über Drittanbieter aus dem Ausland – problemlos bestellt werden konnten. Bei einer Stichprobe Anfang Juli stellte das American Jewish Committee (AJC) rund 60 antisemitische oder revisionistische Bücher auf den deutschen Amazon-Seiten fest. AJC-Sprecherin Deidre Berger warnt vor einer "immer weiter um sich greifenden Verbreitung von Hass-Literatur", die mit Hilfe eines "ethischen Kodex" vom Buchhandel geächtet werden müsse. Firmen wie Amazon sollten "endlich Verantwortung übernehmen"; daher begrüßt Berger Edathys Vorstoß. "Wir glauben", heißt es indes bei Amazon, "dass die richtige Antwort auf diskussionswürdige Literatur nicht deren Entfernung ist, sondern mehr Diskussion." Man nehme deshalb grundsätzlich keine eigene inhaltliche Bewertung vor, sondern verlasse sich auf die Kompetenz der Justiz und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. "Deswegen werden Kunden bei uns auch in Zukunft Titel finden, in denen unkritische und bedenkliche Inhalte bezüglich des Nationalsozialismus geäußert werden" – auch wenn Amazon keinesfalls mit derartigen Meinungen sympathisiere.



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