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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 33/2009

Schnelles Datennetz für die Bundeswehr droht zu scheitern

Auf ein Desaster steuert offenbar das Renommierprojekt "Herkules" zur Modernisierung der altertümlichen Informations- und Kommunikationstechnik der Bundeswehr zu. Die 2006 mit den Elektronikriesen Siemens und IBM gegründete Firma BWIIT GmbH, an der das Wehrressort einen Anteil von 49,9 Prozent hält, kann das vertraglich fixierte Versprechen nicht halten, der Bundeswehr bis Ende 2010 rund 300.000 neue Telefone, 140.000 neue Computer sowie ein schnelles Datennetz zu liefern. Das Projekt ist so massiv in Verzug geraten, dass das Ministerium jetzt Bettelbriefe an über 400 ehemalige Soldaten verschickte. Flehentlich bittet das Ressort ("Ihr möglicher Einsatz ist für die Bundeswehr von besonderem Interesse") die Ex-Soldaten, mit Zeitverträgen bei der BWI-IT auszuhelfen. Die Firma habe Probleme, heißt es in dem Notruf, "qualifiziertes Personal" für Planung und Aufbau moderner Leitungsnetze zu rekrutieren – was tatsächlich schon bizarre Folgen hat. So wurde eine Fernmeldezentrale in Süddeutschland zwar mit schicken neuen Rechnern ausgestattet und kann nun blitzschnell Befehle oder andere Informationen aus dem Ministerium aufnehmen. Nur die Weitergabe an untergeordnete Empfänger bleibt vorsintflutlich: Weil der Aufbau der Datennetze in den Bundeswehrstandorten nicht vorankommt, müssen Fernmeldesoldaten die Papiere zeitraubend Blatt für Blatt ausdrucken, um sie dann mit einigen alten Faxgeräten im Schneckentempo an gut hundert nachgeordnete Stellen zu verteilen.

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© DER SPIEGEL 33/2009
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