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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 8/2010

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender rechnet ab

Scharf kritisiert der scheidende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender die parteipolitische Dominanz über ARD und ZDF. Wenige Wochen vor seinem Abschied attackiert er im Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL erstmals das "Proporzdenken" der Parteien, die Rückgratlosigkeit jener Unionspolitiker wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch, die über den ZDF-Verwaltungsrat seine Abwahl betrieben haben, sowie ein internes "Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen". Brender spricht von "Inoffiziellen Mitarbeitern" der Parteien, "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR". Da sei ein "feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten" entstanden, "aus dem sich Karrierechancen, aber auch Verpflichtungen ableiten lassen". Er selbst habe "versucht, solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten".

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Vor wenigen Monaten hatte sich die Unions-Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat durchgesetzt, Brenders Vertrag nicht mehr zu verlängern. Laut Brender "gibt es in der Union ein dunkles Schattenreich, das sich im Verwaltungsrat eingenistet hat und ihn mittlerweile zu dominieren versucht". Nun sei "auch das ZDF beschädigt. Das Ganze hat der Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen einen schweren Schlag versetzt", so der Top-Journalist gegenüber dem SPIEGEL. Das Bundesverfassungsgericht sei nun "die einzige Institution, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Staatsferne, Form und damit Zukunft sichern kann".

Brender weiter: "Parteipolitische Methodik droht gerade den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu okkupieren." Dazu zählt er "das Denken in Mehrheits- und Minderheitsmustern sowie in Freund- Feind-Schemata. Fraktionszwang. Intransparentes Hinterzimmergeklüngel. Das alles darf es im Journalismus nicht geben". Brender zeigte sich gegenüber dem SPIEGEL "erleichtert", dass es für ihn persönlich "jetzt zu Ende geht. Es fällt eine große Last von mir ab". Er selbst "tauge nicht zur Ikone" und weiß, dass er auch intern bisweilen aneckte mit seinem Führungsstil. "Einigen bin ich auf die Füße getreten. Das bringt der Job mit sich", so Brender. "Ich wollte hier Kämpfer, keine Schlappschwänze." Er selbst sortiere jetzt erst mal Angebote, könne aber wohl "vom Journalismus nicht lassen". In öffentlich-rechtlichen Sendern kann der 61-Jährige sich aber nicht mehr vorstellen: "Das System hat mit mir abgeschlossen. Das werde ich respektieren."

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