AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 19/2010

Erzbischof stellt das Priester-Zölibat in Frage


Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick fordert eine Diskussion über das Ende des Priester-Zölibats. "Ich wäre dafür, dass man darüber nachdenkt", sagt Schick in einem SPIEGEL-Gespräch. Nur Bischöfe, Ordensleute und Domkapitulare sollten sich zur Ehelosigkeit verpflichten. Als Lehre aus dem Missbrauchskandal verlangt Schick generell einen Kurswechsel im Klerus: "Die Kirche insgesamt muss offener werden." Dazu gehöre mehr Verantwortung für die Laien. "Sie müssen von den Amtsträgern mehr einbezogen und gehört werden. Und sie müssen mehr in Entscheidungsgremien mitwirken", sagt Schick, "da muss in den Bistumsleitungen und sicherlich auch auf Weltkirchenebene mehr geschehen." Auch sollten "Frauen mehr in der Kirche mitwirken, und zwar in der Pastorale als Gemeindereferentinnen und Pastoralreferentinnen – aber auch in unseren Leitungsgremien". Schick, der sich als katholischer 68er versteht, rät besonders seinen konservativen Amtsbrüdern zum Kurswechsel. "Es hat in der Kirche auch Rückschritte gegeben. Es gab Verfestigungen und Verkrustungen, Angst vor der bösen Welt", sagt er. Konservativen und Liberalen in der Kirche sei es "in den letzten Jahren nicht gelungen, gut im Dialog zu sein. Den Dialog müssen wir wiederaufnehmen".



© DER SPIEGEL 19/2010
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