AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 21/2010

Bahn will ICE-2-Flotte für 100 Millionen Euro überholen


Die Deutsche Bahn will noch in diesem Jahr damit beginnen, ihre gesamte ICE-2- Flotte für rund hundert Millionen Euro zu überholen. Ab November soll damit ein Fünftel aller ICE in Diensten der Bahn von Grund auf erneuert werden. Das sagte der Bahn-Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube im Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Die Züge sollen unter anderem neue Sitze, Bistros und Toiletten bekommen. "Wir packen die Dinge an: Stück für Stück, Schritt für Schritt", sagte Grube. Im Rahmen seiner Service-Offensive sollen unter anderem auch die Kaffeemaschinen in den älteren IC-Zügen für mehr als eine Million Euro erneuert werden. "Verbesserungen dauern, aber sie werden kommen", erklärte Grube mit Blick auf die öffentliche Kritik am Service- und Dienstleistungsangebot der Bahn. Unterdessen müssen Bahnkunden weiter mit Problemen im ICE-Verkehr rechnen. Frühestens im Jahr 2013 sollen alle Züge mit neuen Achsen bestückt sein. "Bis dahin kann es immer wieder zu Schwierigkeiten kommen", sage der Bahn-Chef. Grube verteidigte in dem SPIEGEL-Gespräch die 2,7 Milliarden Euro teure Übernahmen des britischen Verkehrskonzern Arriva. Im Inland habe die Bahn aus politischen Gründen im Regionalverkehr rund 20 Prozent Umsatz an Wettbewerber abgegeben müssen. Sein Unternehmen könne daher nur im Ausland wachsen. "Europa steht in unserer Branche vor einer Konsolidierungswelle. Am Ende werden voraussichtlich wohl nur fünf bis sechs große Anbieter übrig bleiben." Der Bahn- Chef verteidigt auch die Strategie seines Vorgängers Hartmut Mehdorn, das Unternehmen zu einem globalen Mobilitäts- und Logistikkonzern auszubauen. "Seine Strategie war ja nicht verkehrt, letzten Endes wurde lediglich der Börsengang zum damaligen Zeitpunkt falsch eingeschätzt, denn die Welt war schon eine ganz andere." Im Zusammenhang mit der europäischen Liberalisierung im Personenverkehr plädierte Grube für gleichen Standards, Wettbewerbs- und Zugangsbedingungen. "Es werden zwar immer neue Gesetze für ganz Europa verabschiedet, was die Liberalisierung angeht, aber sie werden nicht umgesetzt. In Frankreich gibt es nicht mal eine Wettbewerbsbehörde, bei der wir uns beschweren können." So dürfe der ICE beispielsweise durch jeden Alpentunnel, nicht aber durch den Eurotunnel zwischen Frankreich und England fahren, weil er dafür nicht zugelassen sei. "Das ist Diskriminierung. So kann man nicht wachsen", sagt Grube.



© DER SPIEGEL 21/2010
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