AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 23/2010

Deutsche Rundfunkpolitik will Apple zähmen


Das Geschäftsgebaren von Apple beschäftigt nun auch die deutsche Rundfunkpolitik. Weil der US-Konzern wiederholt Inhalte von Verlagen aus seinem App Store entfernt oder gar nicht erst zugelassen hat, prüfen die Rundfunkreferenten der Bundesländer jetzt, ob Apple ähnlich wie Kabelnetzfirmen oder andere Plattform anbieter verpflichtet werden kann, Inhalte in sein Angebot aufzunehmen. Eine solche Verpflichtung ist im Rundfunkstaatsvertrag fixiert, auf Internetplattformen wie den App Store fand sie bisher aber keine Anwendung. Auf Initiative Hamburgs sondiert eine Arbeitsgruppe der Rundfunkkommission nun, ob die Regelung ausgeweitet wird. "Die inhaltliche Einflussnahme von Apple ist ein Verstoß gegen die Presseund Meinungsfreiheit, den wir so nicht hinnehmen können", sagte Nikolas Hill, Hamburgs Staatsrat für Medien. Im Umfeld der Länderchefs schätzt man die Umsetzung zwar als schwierig ein, das Thema sei aber relevant. Apple hatte zuletzt nicht nur erotische Inhalte, sondern auch politische Karikaturen aus dem App Store verbannt. Der Konzern scheint seine harte Haltung inzwischen aber zumindest teilweise aufzuweichen: Während der Springer-Verlag bis vor wenigen Tagen die halbnackten Mädchen auf Seite eins der "Bild"-Zeitung für iPhone und iPad mit einem Busenblitzer kaschieren musste, dürfen sie nun mit blanker Brust zu sehen sein. Ap ple habe damit kein Problem mehr, so ein Springer-Sprecher. Der deutschen Ausgabe des "Playboy" dagegen bleibt der Zugang zum App Store verwehrt, obwohl das Magazin eine recht züchtige App mit einem Video über zwei leichter bekleidete Frauen programmiert hatte. "Apples Entscheidungen sind völlig intransparent", sagt "Playboy"-Verlagschef Vernon von Klitzing. Es habe keinen Hinweis gegeben, was an der App störe. "Das ist Zensur. Was am Kiosk verkäuflich ist, muss auch im App Store angeboten werden können."



© DER SPIEGEL 23/2010
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