AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 24/2010

Finanzaffären in der katholischen Kirche


Die katholische Kirche sieht sich mit einer Reihe von Finanzaffären konfrontiert. Allein in Magdeburg bestätigt das Bistum Verluste von über 40 Millionen Euro. Sie wurden durch eine bistumseigene Aktiengesellschaft angehäuft, die in Immobilien, Schiffsbeteiligungen, Biogasanlagen und sogar gentechnische Anlagen investierte. Im Bistum Limburg veruntreute der Leiter einer kirchlichen Finanzverwaltung rund fünf Millionen Euro. Der Mann wurde vor kurzem zu sechs Jahren Haft verurteilt. "Die Veruntreuung war frappierend einfach", stellte der Richter fest. Im Bistum Münster sind 30 Schwarzgeldkonten eines leitenden Geistlichen aufgeflogen.

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Heft 24/2010

Durch solche Betrugsfälle gibt es nun Einblick in die geheimen Kassen der katholischen Bistümer, die große Teile ihres Vermögens jeweils in einem sogenannten Bischöflichen Stuhl verbergen. Auf eine SPIEGEL-Umfrage nach dem Vermögenshaushalt des Bischöflichen Stuhls verweigerten 25 von 27 katholischen Bistümern die Auskunft mit dem Hinweis, dieser würde "nicht veröffentlicht". "Die katholische Kirche sagt, sie sei arm, tatsächlich aber versteckt sie ihren Reichtum", kritisiert der Berliner Politikwissenschaftler und Kirchenfinanzexperte Carsten Frerk im SPIEGEL. Er veranschlagt das gesamte Barvermögen aller Rechtsträger der katholischen Kirche auf rund 50 Milliarden Euro. Das Vermögen ist meist vielseitig angelegt, etwa in Immobilien, kirchlichen Banken, Akademien, Brauereien, Weingütern, Medienkonzernen oder Kliniken.

Vor allem im Bistum Limburg gibt es nun Streit, weil dort für mehrere Millionen Euro auch aus dem Bischöflichen Stuhl eine neue Bischofsresidenz gebaut werden soll. An der Basis wird gleichzeitig mit dem Sparprogramm "Sparen und Erneuern" die Zahl von Gemeinden, Messen und Seelsorgern zusammengestrichen. "Gespart wird an der Basis, erneuert wird woanders", sagt Henny Toepfer von der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" gegenüber dem SPIEGEL.



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