AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 30/2010

Schikaniert die Bahn reklamierende Kunden?


Ungeachtet der Diskussion um überhitzte ICE-Züge häufen sich beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) Beschwerden von Bahnkunden, die wegen der Verspätung ihres Zuges eine Entschädigung beantragen. Seit Sommer 2009 ist die Bahn verpflichtet, bei Fahrplanüberschreitungen von mehr als 60 Minuten bis zur Hälfte des Ticketpreises zu erstatten. Schriftlich reklamierende Kunden bekamen in mehreren Fällen von der Bahn die Antwort, sie sollten die Fahrkarte als Beleg einreichen – nur so sei eine Entschädigung möglich. Die meisten Kunden hatten das Ticket aber bereits ihrer Reklamation beigefügt; sie fühlen sich schikaniert. In einem dem EBA vorliegenden Beschwerdebrief heißt es etwa: "Ich hoffe doch sehr, dass das Verlieren von Fahrkarten durch die Deutsche Bahn nicht ein Weg ist, Kunden von ihrer zustehenden Entschädigung abzuhalten." Die Leiterin der Schlichtungsstelle Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen, Sara Zühlsdorff, bestätigt, es gebe "immer wieder" derartige Fälle. Sie erschwerten die Arbeit, "weil die Beweislast beim Kunden liegt". Ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes, der Aufsichtsbehörde der Bahn, erklärte, die Problematik sei "derzeit Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens". Bis zum Abschluss des Verfahrens könne jedoch keine Einschätzung abgegeben werden, inwiefern die Bahn gegen die Fahrgastrechteverordnung verstoße. Die Bahn zeigt sich unterdessen flexibel: "Im Sinne unserer Kunden akzeptieren wir auch alternative Nachweise für den Ticketkauf oder streben eine kulante Lösung an."



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