AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 39/2010

Deutscher WikiLeaks-Sprecher gibt auf


Daniel Schmitt, der deutsche Sprecher von WikiLeaks, hat in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL Mängel der Enthüllungsplattform enthüllt, interne Querelen kritisiert und seinen Rückzug bekanntgegeben. "Wir alle hatten in den letzten Monaten wahnsinnigen Stress. Es sind Fehler passiert, was in Ordnung ist, solange man daraus lernt. Dafür muss man sie sich aber eingestehen. Vor allem scheint das Vertrauen verlorengegangen zu sein, dass wir an einem Strang ziehen." WikiLeaks hatte in den vergangenen Monaten einige spektakuläre Coups gelandet, unter anderem, indem es 77000 geheime Meldungen des US-Militärs aus dem Afghanistan- Krieg veröffentlicht hatte. Schmitt kritisiert, dass sich die Plattform zu sehr auf die großen Projekte konzentriert habe und dabei kleinere, nationale Dokumente vernachlässigt worden seien. Das habe er auch dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange vorgehalten. Schmitt zum SPIEGEL: "Ich habe mehrfach versucht, das anzustoßen, aber Julian Assange hat auf jede Kritik mit dem Vorwurf reagiert, ich würde ihm den Gehorsam verweigern und dem Projekt gegenüber illoyal sein." Darüber sei es zum Zerwürfnis mit Assange gekommen, auch andere Mitarbeiter seien unzufrieden: "Da gibt es eine Menge Unmut, und einige werden wie ich aussteigen." Aus Schutz vor Angriffen hatte sich der deutsche Sprecher bislang Daniel Schmitt genannt. Im SPIEGEL nennt er nun erstmals seinen richtigen Namen: Daniel Domscheit- Berg.



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