AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 24/2011

Fälschungsskandal greift auf Uni Lübeck über

Der Wissenschaftsskandal am Forschungszentrum Borstel (FZB) in Schleswig-Holstein greift nun auch auf die Uni in Lübeck über. Schon im vorigen Jahr musste eine Direktorin des renommierten Leibniz-Zentrums, die Immunologin Silvia Bulfone-Paus, zwölf Veröffentlichungen wegen manipulierter Daten zurückziehen. Nun untersucht nach Informationen des SPIEGEL eine Kommission der Universität Lübeck neben weiteren Arbeiten von ihr auch mindestens sechs Publikationen ihres Ehemannes Ralf Paus, der an der medizinischen Fakultät der Uni lehrt und an der Uni-Klinik praktiziert. "Das erschüttert unsere wissenschaftliche Glaubwürdigkeit einmal mehr", so der Borsteler Infektiologe Stefan Ehlers gegenüber dem SPIEGEL. Das FZB trifft der Skandal noch härter, da vor gut drei Wochen auch noch Plagiatsvorwürfe gegen Peter Zabel, den Geschäftsführenden Direktor des nördlich von Hamburg gelegenen Instituts auftauchten. "Ich habe die vorsorgliche Verantwortung übernommen", sagte Zabel, der sein Amt ruhen lässt und darauf verweist, mit den Anschuldigungen "in größter Transparenz umgegangen zu sein". So gelten die Vorgänge im Norden schon jetzt als einer der größten Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens der letzten Jahre. Im Mittelpunkt steht dabei das Forscherpaar Paus. Die FZB-Leitung rechnet laut SPIEGEL mit mindestens vier weiteren Arbeiten von Bulfone- Paus, die einkassiert werden müssen. "Die Fälschungen sind so dreist, dass man es gar nicht glauben kann", sagte der an den Entdeckungen beteiligte Mediziner Jörg Zwirner dem SPIEGEL. Gleiches gelte wohl auch für ein Balkendiagramm, das ihr Mann Ralf Paus in gleich sechs Veröffentlichungen benutzt haben soll. Paus sagte dem SPIEGEL, er habe der Untersuchungskommission "schlüssig" dargelegt, "warum dieser Vorwurf und alle damit verbundenen Insinuationen eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens unbegründet sind". Seine Frau erwiderte dem Nachrichten-Magazin, ihre wissenschaftlichen Ergebnisse seien von unabhängigen Forschergruppen bestätigt worden.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, der Forschungsskandal greife auf die Uni-Klinik in Lübeck über, an der Ralf Paus Dematologie lehre. Tatsächlich forscht er aber an der medizinischen Fakultät der Uni und praktiziert an der Uniklinik. Wir haben den Passus korrigiert.

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