AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 35/2011

Sicherheitslücken im Computersystem der Bundespolizei


Das Computersystem der Bundespolizei mit sensiblen Daten über verdeckte Ermittler, V-Leute und geheime Operationen ist offenbar in einem verheerenden Zustand. Bei einer Revision nach einem Hacker-Angriff im Juli dieses Jahres haben Experten jetzt an dem betroffenen Standort gravierende Mängel festgestellt: Hardware und Programme seien veraltet, Sicherheitssysteme nicht vorhanden oder unzureichend. Nicht einmal das Personal werde den Anforderungen für einen sicheren Betrieb gerecht, heißt es in dem vertraulichen Bericht. So fehlten an Schlüsselpositionen geeignete Mitarbeiter, die Fehler feststellen und beheben könnten. Dazu aber wären sie wegen mangelnder Dokumentation ohnehin kaum in der Lage. Dies führe zu einer "als kritisch zu wertenden Abhängigkeit von einzelnen Personen".

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Heft 35/2011
Eine Verneigung.

Zudem sei völlig unklar, wer innerhalb des Systems Regeln aufstellen und verändern dürfe. Damit könne dies praktisch jeder tun; das werde noch nicht einmal ausreichend registriert. Die internen Prüfer weisen in ihrem Bericht auf ein weiteres, gravierendes Risiko hin. Dabei geht es um den Zugang von Fahndern, die bei Observationen und Dienstreisen auch von außen Zugriff auf das System haben müssen. Dazu würden "unsichere Klartext-Protokolle" benutzt, monieren die Experten. Viele zusätzliche Anwendungen seien zudem veraltet. Nicht ausreichend gesichert sei auch die sensible sogenannte Wechseldatenträgerschleuse – etwa für USB-Sticks oder CDs. Hacker, so das Fazit der Prüfer, könnten nach wie vor in das Polizeinetz eindringen. So sei es nicht nur möglich, an geheime Daten zu gelangen, sondern auch, die Software zu manipulieren und systemrelevante Einstellungen zu verändern.



© DER SPIEGEL 35/2011
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