AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 44/2011

Ermittlungen Russisches Spionage-Ehepaar war auf der Suche nach Informationen aus Politik und Militär


Bei den Ermittlungen gegen die zwei mutmaßlichen russischen Spione Andreas und Heidrun A. mehren sich die Indizien, dass das Ehepaar auf der Suche nach Informationen über Politik und Militär war. Bei der Durchsuchung des Wohnhauses im hessischen Marburg fanden die Fahnder detaillierte Angaben über verschiedene Veranstaltungen, die Andreas A., 51, besucht und bei denen er offenbar mitgeschrieben hatte. Dabei soll es auch um Diskussionen über die Zukunft der Nato gegangen sein. Noch offen ist, wovon das Ehepaar lebte. Heidrun A., 45, die von der Bundesanwaltschaft während des Abhörens von verschlüsseltem Funkverkehr verhaftet worden war, arbeitete offiziell nicht. Der Lebensstandard der Familie soll allerdings deutlich über Andreas A.s Einkommen bei einem schwäbischem Technologieunternehmen gelegen haben. Auf Zetteln hatten die beiden Summen zwischen 8000 und 12.000 Euro notiert, bei denen es sich möglicherweise um monatliche Spesenabrechnungen handelt. Bislang bestreiten beide die Vorwürfe. In Berlin gilt der Zugriff der Bundesanwaltschaft als großer Erfolg, in Regierungskreisen ist von einem "gravierenden Zwischenfall" die Rede; in Moskau hat die Festnahme für große Unruhe gesorgt. Sowohl der Auslandsnachrichtendienst SWR, für den das Ehepaar gearbeitet haben soll, als auch das Außenministerium verweigerten jeden Kommentar. Die Zeitung "Kommersant" wertete Moskaus Schweigen als "mögliches indirektes Eingeständnis, dass das Paar für die Russische Föderation" gearbeitet habe.



© DER SPIEGEL 44/2011
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