IBM plant radikale Veränderung der Arbeitswelt

Hinter den Personalkürzungsplänen des IT-spezialisten IBM in Deutschland steckt offenbar ein radikales Konzept zum Umbau des Gesamtkonzerns. Wie DER SPIEGEL unter Berufung auf ein internes Papier des IT-Spezialisten schreibt, will IBM die Beziehungen zu Arbeitskräften konsequent und umfassend verändern. So soll der Konzern künftig nur noch von einer kleinen Kernbelegschaft geführt werden. Spezialisten und Fachkräfte hingegen will IBM auf einer eigens gegründeten Internetplattform anwerben. Dort sollen freie Mitarbeiter aus der ganzen Welt präsentieren und nach bestimmten, von IBM entworfenen, Qualitätsmerkmalen zertifiziert werden. Analog dem sozialen Netzwerk Facebook könnten Arbeitnehmer in dem IBM-Modell Bewertungen und Zeugnisse der Arbeitgeber erhalten, die dann von anderen Unternehmen eingesehen werden. Die in einer "Cloud" (Wolke) organisierten Arbeitskräfte, heißt es in dem IBM-Papier, würden internationale Arbeitsverträge erhalten, um restriktive Vorschriften in den jeweiligen Heimatländern zu umgehen. Außerdem sollen sie auch nur für die Länge der jeweiligen Projekte beschäftigt werden.

Ein solches System, in dem weltweit Arbeitskräfte um befristete Jobs auf Internetplattformen konkurrieren, würden Konzerne wie IBM gewaltige Einsparungen bringen und die Effizienz erheblich steigern. Der Konzern selber wollte zu den internen Plänen keine Stellung nehmen. "Als innovatives Unternehmen", hieß es lediglich, "sondieren wir ständig eine Fülle von Wegen und Vorgehensweisen, die Kunden Mehrwert bieten. Produktivität zu steigern und Talente zu fördern, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, ist eine entscheidende Komponente in unserem Geschäftsmodell." IBM ist mit seinem Arbeitsmodell konsequenter Vorreiter einer bereits längerfristigen Entwicklung. Nach bislang unveröffentlichten Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) sank die Zahl der unbefristeten Vollzeitjobs von 1999 bis 2009 um 18,5 Prozent. Mittlerweile sind nur noch etwas über die Hälfte alle Arbeitnehmer so beschäftigt. Zugleich stieg die Zahl der atypischen Erwerbsformen, etwa Leiharbeit oder Solo-Selbständigkeit, um fast 79 Prozent an.

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