Neue Vorwürfe gegen Investmentbank Morgan Stanley beim EnBW-Deal

Eine E-Mail belegt, wie doppelzüngig die Investmentbank Morgan Stanley beim EnBWDeal agierte. Am 1. Dezember 2010 schrieb der Morgan-Stanley-Banker Dirk Notheis, der im Auftrag des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) den Ankauf der Anteile an dem baden-württembergischen Energieversorger aushandeln sollte, an den Verkäufer Henri Proglio, Chef des französischen Stromkonzerns EDF. Unter der Betreffzeile "Strategic Considerations" listete Notheis die Vorzüge eines schnellen Verkaufs der Anteile an das Land Baden-Württemberg auf. Dabei verwies er auf finanzielle Risiken, wenn die Franzosen weiterhin bei EnBW Gesellschafter blieben. So stünden etwa die EnBW-Gewinne wegen der Laufzeitverlängerung von Atommeilern unter besonderem Druck. Notheis’ Schlussfolgerung: Die finanzielle Attraktivität einer EnBW-Beteiligung würde für die EDF mit der Zeit abnehmen. Gleichzeitig unterstützte der Banker den Ministerpräsidenten Mappus beim Rückkauf der Anteile. "Die E-Mail war Bestandteil der professionellen Verhandlungsstrategie", erklärt eine Morgan-Stanley-Sprecherin auf Nachfrage. "Sie war im besten Interesse unseres Kunden." Die EDF möchte den Vorgang nicht kommentieren, verweist jedoch darauf, dass kein Beratervertrag mit der Investmentbank bestand. Morgan-Stanley-Deutschlandchef Notheis muss am kommenden Freitag als Zeuge vor dem EnBW-Untersuchungsausschuss im Stuttgarter Landtag aussagen.

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