Verschwundener Agent des Berliner Verfassungsschutzes starb in den USA


Der einstige V-Mann des Berliner Verfassungsschutzes Peter Urbach starb im Mai vergangenen Jahres in den USA. Seit seiner Enttarnung und seinem Verschwinden aus West-Berlin im Frühjahr 1971 war über seinen Verbleib gerätselt und spekuliert worden. Der in Posen geborene Urbach erschlich sich 1967 im Auftrag des West-Berliner Landesamtes für Verfassungsschutz das Vertrauen der Kommune 1 und anderer Linksradikaler. Dem Rechtsanwalt und Gründer der Roten Armee Fraktion (RAF) Horst Mahler beschaffte er dessen erste Pistole. Beim Sturm von Studenten auf das Hochhaus des Axel-Springer-Verlags verteilte er Molotowcocktails an Demonstranten. Zudem lieferte er Brand- und Sprengbomben, von denen ein Student eine im Jüdischen Gemeindehaus legte. Nach seiner Enttarnung als Agent provocateur und V-Mann des Verfassungsschutzes im Frühjahr 1971 verschwand er spurlos. Wie der SPIEGEL jetzt erfuhr, setzte er sich nach einem Zwischenstopp in Wuppertal mit seiner Frau und zwei Söhnen in die USA ab und trug fortan eine großkalibrige Pistole. Zunächst vom Verfassungsschutz finanziell unterstützt, schlug er sich als Rohrleger durch, unter anderem beim Bau des Atomkraftwerks Diablo Canyon. Urbach vermisste seine Heimat, aber sprach auch mit seinen beiden späteren amerikanischen Ehefrauen nicht über Details seines Vorlebens. Laut seiner dritten Frau ärgerte er sich aber über die seiner Meinung nach falsche Darstellung seiner Aktivitäten in Berlin. Den Plan, seine Erinnerungen zu Papier zu bringen, konnte er nicht mehr verwirklichen. Peter Urbach starb am 3. Mai des vergangenen Jahres in Kalifornien.



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