Die Deutsche Bahn fürchtet sich vor US-Klagen von Holocaust-Opfern


Die Deutsche Bahn fürchtet offenbar Millionenklagen von Überlebenden des Holocaust vor US-Gerichten. Der Staatskonzern hat Ende des Jahres eine New Yorker Anwaltskanzlei und eine PR-Agentur beauftragt, Gesetzesinitiativen im US-Parlament und in der Regierung zu beobachten, die zur Grundlage etwaiger Klagen werden könnten. Zudem soll die auf Krisen-PR spezialisierte Agentur die Sicht der Bahn in Washington verbreiten. Ein Bahn-Sprecher bestätigte die Mandatierung, wollte sich aber zu Details nicht äußern. Aufgeschreckt hat die Berliner Konzernzentrale der Holocaust Rail Justice Act, der zurzeit im US-Kongress behandelt wird. Das Gesetz soll Entschädigungsansprüche von Überlebenden des Holocaust in den USA sichern, die während der deutschen Besetzung Frankreichs von der französischen Staatsbahn SNCF in die Nazi-Vernichtungslager transportiert wurden. Laut Senator Charles Schumer, Initiator der Gesetzesinitiative, wurden mehr als 76000 Juden, Widerstandskämpfer und vereinzelt US-Kriegsgefangene mit SNCF-Zügen in Konzentrationslager deportiert. Nur drei Prozent von ihnen hätten überlebt. Bisher waren Klagen gegen die SNCF in den USA wegen unklarer Rechtslage gescheitert. Auch die Deutsche Bahn wurde bereits mehrmals mit Entschädigungsforderungen von Holocaust-Überlebenden konfrontiert. Im vergangenen Jahr kündigten osteuropäische NS-Opfer eine Klage vor US-Gerichten gegen das Unternehmen an, die aber noch nicht eingereicht ist.



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