Athleten täuschen Handicaps im Behindertensport vor


Bei Behindertensport-Wettbewerben schleichen sich auch Simulanten ein, die bei den medizinischen Untersuchungen vor dem Start ihre Handicaps nur vortäuschen. Dies sagte der Hamburger Physiotherapeut Jürgen Schmid, der seit 16 Jahren im Auftrag des Radsport-Weltverbandes als sogenannter Klassifizierer behinderte Sportler auf die Schwere ihrer Beeinträchtigungen prüft, dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL: "Wir testen hart, aber wer uns wirklich ein Handicap vorspielen will, schafft das." Besonders bei blinden Athleten, die nach den Regeln des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) maximal zehn Prozent Sehschärfe haben dürfen, seien genaue Diagnosen problematisch. Dies bestätigte der Bendorfer Augenarzt Axel Bolsinger. Der Mediziner arbeitete 15 Jahre lang als Klassifizierer für das IPC und führte vor Behindertensport- Wettbewerben in der Leichtathletik, im Schwimmen oder dem Skilanglauf aufwendige Augentests für Athleten ein. Bei einer dieser Untersuchungen flog, wie sich erst jetzt herausstellt, 1998 auch die deutsche Blindensportlerin Yvonne Hopf auf. Hopf, die bei Schwimmwettbewerben der Paralympics fünf Goldmedaillen gewonnen hatte und damals ein Star der Behindertensport-Szene war, hatte in Wahrheit eine Sehschärfe von über zehn Prozent. Sie musste ihre Karriere als Blindensportlerin beenden – und machte kurz darauf ihren Führerschein. Hopf bestätigte diese Recherchen des SPIEGEL.



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