Der BND führte bei der Fahndung nach RAF-Terroristen Ermittler des Bundeskriminalamts in die Irre


Der Bundesnachrichtendienst (BND) gab bei der Fahndung nach Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) mehrmals falsche Auskünfte. Das zeigen Dokumente, die die Bundesregierung auf Antrag des SPIEGEL freigegeben hat. Es geht um die zehn RAFAussteiger, die ab 1980 mit Hilfe der Stasi in der DDR untergetaucht waren, darunter Susanne Albrecht (mitverantwortlich für den Mord am Dresdner-Bank-Vorstand Jürgen Ponto 1977), Monika Helbing (beteiligt an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer 1977) und Inge Viett (Mitentführerin des CDU-Politikers Peter Lorenz 1975). Obwohl dem BND bereits Ende 1980 der Hinweis eines palästinensischen Top-Informanten auf die DDR vorgelegen hatte, führte der Dienst das ermittelnde Bundeskriminalamt (BKA) jahrelang in die Irre. Auf Anfragen des BKA, ob sich die Gesuchten in der DDR aufhielten, antwortete der BND, er habe "keine Erkenntnisse" oder nannte falsche Aufenthaltsorte. Im Fall Albrecht meldete der BND sechsmal unter Berufung auf Informanten oder einen ausländischen Partnerdienst, die Gesuchte weile in Syrien, im Libanon oder Jemen. Auch Viett und Helbing waren dem Dienst zufolge im Nahen Osten; tatsächlich hielten sie sich in Dresden beziehungsweise Frankfurt (Oder) auf. Unklar ist, ob der BND das BKA belog oder ob es sich um eine interne Panne handelte.



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