AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 32/2000

Schrottreife "Marder"


Die Bundeswehr hat Probleme mit ihren Schützenpanzern vom Typ "Marder". Wenn die Kettenfahrzeuge bei sommerlicher Hitze mit Vollgas durchs Gelände rasseln, schaltet sich bisweilen der Motor wegen Überlastung automatisch ab, schreibt das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Ursache für die Schwächeanfälle der 600-PS-Triebwerke sind "Kampfwertsteigerungen", durch die das fast 30 Jahre alte Vehikel aufgewertet werden sollte; zuletzt bekamen die "Marder", die auch bei den Friedenstruppen auf dem Balkan im Einsatz stehen, eine zusätzliche Panzerung. So wurden sie immer schwerer: Ursprünglich brachten sie rund 28 Tonnen "Gefechtsgewicht" auf die Waage, mittlerweile sind es fast 34 Tonnen. Die "Marder" schaffen jetzt nur noch ein Spitzentempo von 65 statt 75 km/h.

Da Motoren, Getriebe und Ketten schneller verschleißen, stieg in den letzten Jahren zudem der Reparaturaufwand. Auch dringen manchmal rußige Diesel-Abgase in den "Kampfraum", in dem die Grenadiere hocken, weil ein Seilzug zum Schließen der Heckklappe wegen der Zusatzpanzerung schneller ausleiert. Aufgrund fehlender Er-satzteile lag ein Großteil der gut 2000 "Marder" immer wieder still. In manchen Bataillonen sollen von 52 Panzern zeitweilig nur 3 oder 4 fahrbereit gewesen sein. Laut offizieller Darstellung liegt die "durchschnittliche Einsatzbereitschaft" derzeit zwischen 55 und 85 Prozent. Für die Motoren will das Heer jetzt stärkere Kühler anschaffen. (DER SPIEGEL 32/00, Panorama Deutschland)



© DER SPIEGEL 32/2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.