Adenauer-Regierung ging 1952 gegen Karnevalisten vor


Die Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer wollte 1952 jene Karnevalisten zum Schweigen bringen, die mit bissiger Satire die Politik seiner Regierung verspotteten. Das geht aus bislang geheim gestempelten Dokumenten hervor, die das Bundeskanzleramt nun auf Antrag des SPIEGEL freigegeben hat.

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Heft 32/2013
Die Geburt der modernen Diktatur

Wenige Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft kommentierten die Jecken des rheinischen Karnevals die Politik der Bonner Republik oft recht kritisch. Auf einer Kabinettssitzung am 1. Februar 1952 diskutierten der Rheinländer Adenauer und seine Minister über die "zersetzenden und gehässigen Satiren" bei karnevalistischen Veranstaltungen. Kurz danach bestellte Bundesinnenminister Robert Lehr (CDU) die Bürgermeister von Köln, Düsseldorf, Mainz und München ein. Er gab ihnen zu verstehen, dass die bei Karnevalsveranstaltungen geübte Kritik geeignet sei, der "mit aller Kraft um den Aufbau ringenden Demokratie schweren Abbruch zu tun". Die Bürgermeister versprachen ihren Einfluss im Sinne Bonns geltend zu machen. Zudem ließ Innenminister Lehr ein rechtliches Vorgehen gegen kritische Karnevalisten prüfen.

Die Narren blieben schließlich aber offenbar unbehelligt - und Kanzler Adenauer ging 1952 nicht zum Karneval.



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