Adidas gegen Scientology

Fußballstars, die für Adidas werben, dürfen nicht Mitglied von Scientology sein und das Gedankengut ihres Gründers L. Ron Hubbard verbreiten. Dies geht aus einem "Ausrüstungsvertrag" hervor, den der Sportartikelkonzern 2008 mit einem heutigen Nationalspieler des FC Bayern München geschlossen hat und der dem SPIEGEL vorliegt. Demnach musste der Profi versichern, "keiner Organisation oder Vereinigung anzugehören, die die Grundsätze von L. Ron Hubbard vertritt oder entsprechende Techniken anwendet oder verbreitet". Im selben Absatz machte Adidas es auch zur Bedingung, dass der Spieler "keiner Organisation oder Vereinigung angehört, die vom Verfassungsschutz überwacht wird". Andernfalls behielt Adidas sich das Recht vor, den bis 30. Juni 2012 ausgehandelten Kontrakt umgehend aufzuheben.

Der Vertrag war für Adidas auch fristlos kündbar, sollte der Spieler des Dopings überführt oder "vor einem staatlichen Gericht wegen Drogenbesitzes, Drogenkonsums oder Drogenhandels verurteilt" werden. Der Nationalspieler wiederum verpflichtete sich, dem Unternehmen aus Herzogenaurach, das auch einer der Anteilseigner des FC Bayern München ist, maximal sechs Tage pro Jahr für PR-Termine zur Verfügung zu stehen. Zudem musste der Profi "immer dann, wenn er sich aus sonstigem Anlass in Sportkleidung oder sportbetonter Freizeitkleidung in der Öffentlichkeit zeigt", Adidas-Kleidung tragen – bei Autogrammstunden, Interviews oder TV-Aufnahmen.

Dafür kassierte der Bayern-Star allein in der Saison 2011/2012 exakt 400.000 Euro. Das Unternehmen teilte auf Nachfrage mit: "Vielfältigkeit und Toleranz zählen zu den Grundwerten der Adidas-Gruppe. Scientology, aber auch andere verfassungsfeindliche Organisationen und Vereinigungen, sind damit nicht zu vereinbaren. Dieser Passus steht so oder so ähnlich grundsätzlich und unterschiedslos als Standardklausel in unseren Verträgen. Es geht nicht um einzelne Sportler."

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