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ARD-Mann Fröhder rechnet mit "Tagesschau" und "Tagesthemen" ab

Der ARD-Journalist und Hanns-Joachim-Friedrichs-Preisträger Christoph Maria Fröhder rechnet im aktuellen SPIEGEL mit "Tagesschau" und "Tagesthemen" ab. "Das ist kein journalistisches Umfeld mehr für mich. Ich stoße da auf Leute, denen die Administration wichtiger ist als guter Journalismus. Diese Strukturagenten ersticken den Journalismus", sagt er. "Ich formuliere die Kritik nicht für mich", so der 72-jährige Journalist. "Ich will, dass sich etwas ändert, damit die jungen Kollegen in Zukunft wieder den Journalismus machen können, den die ARD braucht. Mein Entschluss ist auch ein symbolischer Abschied." Der Journalist kritisiert vor allem die "Kleinstaaterei der einzelnen Anstalten". Er habe den Redaktionen Vorschläge gemacht, und die haben sie gnadenlos kopiert und mich rausgehalten. "Oft genug musste ich den Korrespondenten vor Ort um Zustimmung fragen, ob ich sein Gebiet im Namen der ARD überhaupt betreten darf – und oft genug wurde mir die Zustimmung verweigert." Fröhder wirft der "Tagesschau" vor, fremdes Bildmaterial nicht kritisch genug zu prüfen. "Wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass man es letztlich nicht nachprüfen kann. Bei diesem sinnlosen Herausnehmen von Material läuft man ständig Gefahr, sich instrumentalisieren zu lassen." "Mich nervt diese sprachliche Verlotterung! In den Beiträgen wimmelt es vor Grammatikfehlern. Da ist die Anmoderation des Sprechers identisch mit den ersten zwei Sätzen des Films. Und dann dieses ständige Geduze! Jeder Korrespondent wird mit Vornamen aufgerufen. Es ist dem Zuschauer gegenüber unhöflich, es ist ärgerlich." In "Tagesschau" und "Tagesthemen" würden "bloß scheinbar relevante Fakten hintereinandergefügt, anstatt sie zu hinterfragen", so Fröhder. "Wenn ich diese Aufsager vor den Parteizentralen und dem Kanzleramt schon sehe! Die kommen einfach von der Routine nicht weg."

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