Schmiergeldermittlungen in ehemaligem Unternehmen von BDI-Präsident Ulrich Grillo


Deutsche und griechische Staatsanwälte ermitteln gegen Mitarbeiter von Rheinmetall wegen Steuerhinterziehung und Bestechung. Nach Informationen des SPIEGEL fallen vermutete Schmiergeldzahlungen auch in die Zeit von 1999 bis 2001, in der der heutige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, die damalige Rheinmetall-Tochter STN Atlas Elektronik leitete. Der frühere Griechenland-Repräsentant von STN Atlas, Panagiotis Efstathiou, hatte Anfang Januar bei Vernehmungen in Athen ausgesagt, beim Verkauf von U-Boot-Ausrüstung und einem Flugabwehrsystem Militärs und Beamte des griechischen Verteidigungsministeriums mit mehreren Millionen Euro geschmiert zu haben. Das Geld sei Teil der Provisionen gewesen, die STN Atlas an ihn gezahlt habe. Er habe die Bestechungsgelder auf ausdrücklichen Wunsch von Atlas-Managern gezahlt, darunter sei auch ein damaliger Prokurist der Firma gewesen. BDI-Präsident Grillo erklärte gegenüber dem SPIEGEL: "Mir lagen damals keine Informationen vor, dass es bei unseren Geschäften in Griechenland zu unregelmäßigen Zahlungen gekommen ist." Rheinmetall bestritt gegenüber dem SPIEGEL jegliche Bestechungsgeldzahlungen. Der gegen Kaution freigelassene Rüstungsrepräsentant Efstathiou ließ über seinen Anwalt erklären, dass er Grillo einmal anlässlich einer Vertragsunterzeichnung in Athen begegnet sei. Über Schmiergeldzahlungen habe man damals nicht gesprochen. Er beharrt indes darauf, dass die Konzernspitze im Bild hätte sein müssen. "Jeder, der die Höhe meiner Provisionen kannte, muss gewusst haben, dass darin auch Schmiergeldzahlungen enthalten sein müssen", sagte er dem SPIEGEL. In einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Bremen, der dem SPIEGEL vorliegt, heißt es: "Schon im Jahr 1999 hatte die damalige STN Atlas Elektronik GmbH bei der Konzernspitze wegen der Handhabung ungewöhnlich hoher Provisionszahlungen an den ,Kooperationspartner' eines griechischen Handelsvertreters angefragt." BDI-Präsident Grillo sagte dem SPIEGEL, der entsprechende interne Brief sei einen Monat, bevor er in die Firma eintrat, verfasst worden.



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