BER-Architekt Gerkan erhebt schwere Vorwürfe gegen Flughafengesellschaft

BER-Architekt Meinhard von Gerkan erhebt schwere Vorwürfe gegen die Berliner Flughafengesellschaft. Deren Arbeit habe sich als "großangelegte Täuschung herausgestellt", heißt es in einem Schriftsatz von Gerkans Anwälten. Die Manager hätten mit ständigen Umbauwünschen den Bauablauf "regelrecht zerschossen". Überdies hätten sie "wider besseres Wissen gegenüber ihrem eigenen Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit" suggeriert, dass das Terminal "pünktlich und innerhalb des Wunschbudgets fertig werden könne". Die Flughafengesellschaft hatte Gerkans Architekten in der Planungsgemeinschaft pg bbi im Mai entlassen und wenig später wegen angeblich massiver Fehlplanung verklagt. In einer 99-seitigen Klageerwiderung werfen die Architekten ihrem ehemaligen Auftraggeber nun vor, das Termin- und Finanzchaos selbst verursacht zu haben. So hätten 286 Planänderungsanträge bis Mai 2012 zu einer "fortdauernden Behinderung der eigenen Baustelle" geführt. Verheerende Folgen habe vor allem die Entscheidung gehabt, das Terminal zum Shopping-Center auszubauen: Um "profitable Flächen" für einen sogenannten Walk-Through-Shop nach der Sicherheitskontrolle zu schaffen, mussten Check-in-Schalter reduziert werden. Spätestens im November 2008, heißt es in dem Schriftsatz, habe sich die Flughafengesellschaft entschlossen, "anstelle einer klaren, erfolgversprechenden Projektstrategie mit Halbwahrheiten und unrealistischen Vorgaben zu arbeiten". Unterdessen gibt es Hinweise, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) womöglich schon deutlich vor Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) über die bevorstehende erneute Verschiebung der Flughafen-Eröffnung informiert war. Bereits am 19. Dezember, drei Wochen vor der offiziellen Absage des Starttermins, unterrichtete der Technikchef der Flughafengesellschaft, Horst Amann, Ramsauer persönlich über Terminprobleme. Sowohl Amann als auch ein Sprecher Ramsauers bestätigten das Treffen. "Natürlich haben wir über den Stand des Projekts gesprochen, über was denn sonst", sagte Amann auf SPIEGEL-Anfrage. Wenige Tage nach der Zusammenkunft stellte Ramsauer in einem Interview als erster Verantwortlicher den geplanten Airport- Start konkret in Frage und löste damit in Berlin und Brandenburg Verwunderung aus.

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