"Berliner Morgenpost" bezahlte Beamten als Bodyguard

Die "Berliner Morgenpost" geht wegen einer Durchsuchung im Büro und der Wohnung ihres Chefreporters gegen die Berliner Justiz vor. Eine siebenseitige Beschwerde des Axel-Springer-Verlags nennt die Razzia wegen des Verdachts der Beamtenbestechung "eklatant unverhältnismäßig" und einen "Verstoß gegen das journalistische Beschlagnahmeprivileg". Aus Sicht der Zeitung konnten die Bestechungsvorwürfe gegen den Reporter schon beim Eintreffen der Fahnder am vergangenen Mittwochmorgen entkräftet werden. Zwar zahlte die "Mopo" einem Beamten des Berliner Landeskriminalamts (LKA), gegen den seit dem Sommer wegen der Weitergabe von Behördeninterna ermittelt wird, tatsächlich 3000 Euro. Dies sei aber keine Bestechung, sondern ein Honorar gewesen, da der Fahnder, ein enger Freund des Reporters, im Jahr 2010 eine gefährliche "Mopo"-Recherche im Kinderhändler-Millieu in den Niederlanden als Bodyguard begleitete. Später übergab der Reporter erneut 100 Euro an den Beamten, damit soll er aber lediglich den Kaufpreis für zwei Polizeijacken erstattet haben, die der LKA-Mann ihm besorgt habe. Bei der Durchsuchung im Springer-Verlag beschlagnahmten die Fahnder Computer, ein iPad, ein Mobiltelefon und mehrere Daten-CDs. Wegen einer noch vor Ort eingelegten Beschwerde sind diese Beweismittel bisher versiegelt. Kurz nach dem Eintreffen der Fahnder hatte Justizsenator Thomas Heilmann, CDU, den "Mopo"-Chefredakteur Carsten Erdmann angerufen und über die Ermittlungen informiert. Laut Heilmann hatte ihn die Staatsanwaltschaft wegen der Brisanz des Falls darum gebeten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback