BND gibt Journalisten als Informanten preis


Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat erstmals offiziell die Namen von Journalisten preisgegeben, die für ihn tätig waren. Bei den Agenten handelt es sich um Horst Mahnke, Paul Karl Schmidt, Wilfred von Oven und Hans Bayer alias Thaddäus Troll, dem ehemaligen Vizepräsidenten des PEN-Zentrums. Damit liegt der Verdacht nahe, dass der Dienst gegen das Verbot verstieß, auf innenpolitischem Gebiet tätig zu werden.

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Heft 23/2013
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Mahnke war SPIEGEL-Ressortleiter, als ihn der BND 1956 anwarb. Später wurde er Chefredakteur einer Illustrierten beim Springer-Verlag und dann Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger, die BND-Anbindung endete 1973. Auch Schmidt, der in den fünfziger Jahren als freier Mitarbeiter für "Zeit" und SPIEGEL tätig gewesen war, zählte zum Führungskreis des Springer-Verlages. Der Öffentlichkeit ist er als Autor unter dem Pseudonym "Paul Carell" bekannt, einige seiner Werke über den Zweiten Weltkrieg waren Bestseller. Oven wurde 1950 vom Vorläufer des BND rekrutiert und bis 1966 unter verschiedenen Decknamen geführt. Er war anfangs Lateinamerika- Korrespondent des SPIEGEL und schrieb später für die "Frankfurter Allgemeine".

Zu Thaddäus Troll gibt der BND an, dieser werde in den Geheimdienstakten in "nicht nachvollziehbarer Weise" als "Quelle" bezeichnet; eine "nachrichtendienstliche Verbindung" könne "nicht belegt werden". Es gibt allerdings zwei BND-Dokumente aus dem Jahre 1962, die Troll belasten. So wusste er laut Vermerk über einen ehemaligen Kollegen "zu berichten", dass dieser "intensive Verbindungen" zur DDR gepflegt habe. Das zweite Dokument beginnt mit dem Satz "Wie Quelle Dr. Hans Bayer … mitteilt". Bayer alias Troll behauptet darin, der Verleger und Widerstandskämpfer Helmut Kindler habe ihn während des Krieges bei der SS denunziert.



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