Der BND verhinderte 1972 die Tötung des palästinensischen Politikers Abdallah Frangi in der Bundesrepublik


Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach dem Olympia-Massaker von München 1972 beim israelischen Geheimdienst Mossad interveniert, um die Tötung des palästinensischen Politikers Abdallah Frangi in der Bundesrepublik zu verhindern. Das belegen BND-Unterlagen. Der Mossad liquidierte damals mehrere Hintermänner des Olympia- Attentats, und von Frangi war bekannt, dass die Münchner Attentäter versucht hatten, ihn telefonisch zu erreichen. Im Oktober 1974 berichtete der BND ans Kanzleramt, Frangi sei durch "Einsatzkommandos" des Mossad gefährdet. Man müsse annehmen, dass Frangi "hinsichtlich Bedeutung und Tätigwerden für arabische Terroristen mögliches Ziel einer 'Blaumeise'-Operation werden könnte"; "Blaumeise" war der BND-Deckname für den Mossad. Am 4. Oktober 1974 sprach daher ein BND-Abteilungsleiter mit dem Pariser Mossad-Residenten David Kimche, zuständig für die Verbindung zum BND und einer der Planer der Tötungen. Kimche zeigte sich über den gerade in die Bundesrepublik zurückgekehrten Frangi "bemerkenswert gut informiert" und räumte ein, es sei bereits "eine technische Operation gelaufen" - vermutlich eine Abhöraktion -, allerdings "ergebnislos". Kimche gegenüber argumentierte der BND, ein Attentat auf deutschem Boden würde zu einer "erheblichen Beeinträchtigung deutscher Interessen in arabischen Ländern" führen. Frangi blieb unbehelligt. Von 1993 bis 2005 war er als Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde in Deutschland tätig. Heute ist Frangi Berater von Mahmud Abbas, dem Präsidenten der Behörde.



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