Buchautor Andreas Kemper wirft Vertretern der Alternative für Deutschland Demokratiefeindlichkeit vor


Andreas Kemper, 50, Soziologe aus Münster, kritisiert Mitglieder der Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) wegen ihrer antidemokratischen und homophoben Tendenzen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 30/2013
Außer Kontrolle: Die geheime Zusammenarbeit von NSA, BND und Verfassungsschutz

SPIEGEL: Die AfD gilt als Sammelbecken für Euro-Kritiker. Was genau werfen Sie der Partei in Ihrem neuen Buch "Rechte Euro-Rebellion" nun vor?

Kemper: Es wird oft übersehen, dass die AfD nicht nur von dem Ökonomen-Kreis um Bernd Lucke gebildet wurde. Dieser technokratische Flügel hat sich primär auf wirtschaftspolitische Themen wie Euro-Rettung und Staatsverschuldung eingeschossen. Aber es gibt eine zweite Fraktion, vergleichbar mit der Tea Party in den USA, die mit der AfD ganz andere Themen aufgreifen möchte.

SPIEGEL: Was will diese Gruppe?

Kemper: Die AfD hat starke Wurzeln im nationalliberalen Lager, das elitäre und homophobe Meinungen propagiert. Vertreter dieses Kreises äußern sich regelrecht demokratiefeindlich. Vorstandsmitglied Konrad Adam hat etwa schon mal implizit gefordert, Arbeitslosen das Wahlrecht abzuerkennen. Der Ökonom Roland Vaubel, wissenschaftlicher Berater der AfD, spricht sich für eine "unternehmerfreundlichere Demokratie" aus, zu Lasten finanziell schwacher Kreise. Und die "Zivile Koalition" von Beatrix von Storch, die auf Listenplatz zwei der Berliner AfD steht, kämpft gegen das, was sie als "Minderheiten-Lobby" der Schwulen und Lesben bezeichnet.

SPIEGEL: Warum findet sich im offiziellen AfD-Programm dazu nichts?

Kemper: Natürlich tritt die AfD in ihrem ersten Wahlkampf nicht offen für eine Einschränkung des Wahlrechts ein. Aber wichtige Wortführer innerhalb der Partei verfolgen dieses Ziel, das ist gefährlich.



© DER SPIEGEL 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.