Bundesanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen weiteren NSU-Verdächtigen ein

Im Fall der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat die Bundesanwaltschaft ihre Ermittlungen ausgeweitet. Am 28. Januar leitete Generalbundesanwalt Harald Range ein Ermittlungsverfahren gegen einen weiteren Verdächtigen ein. Bei dem nunmehr 14. Beschuldigten handelt es sich um den Thüringer Neonazi André K., einen einstmals engen Vertrauten der NSU-Gründer Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Dem 37-Jährigen wird die "Unterstützung einer terroristischen Vereinigung" vorgeworfen. Hintergrund sind neue Erkenntnisse des Bundeskriminalamts (BKA), wonach sich K. am Tag des gewaltsamen Endes der NSU-Terroristen am 4. November 2011 in der Nähe ihres Wohnmobils in Eisenach aufhielt. Auf seine Spur waren die Fahnder durch die Auswertung von Mobilfunkdaten gekommen: Knapp zwei Stunden nachdem Mundlos erst seinen Komplizen und dann sich selbst erschossen hatte, buchte sich ein von K. genutztes Handy etwa zwölf Minuten lang in einer Eisenacher Funkzelle ein – genau in dem Sendebereich, in dem sich das Wohnmobil mit den Leichen der beiden befand. Laut einem Vermerk des BKA bestehe nun der Verdacht, dass K. die Komplizin des Duos, Beate Zschäpe, "über den Tathergang informiert" haben könnte, bevor sie das letzte NSU-Versteck in Zwickau in Brand setzte und flüchtete. Bislang hatten die Ermittler nicht klären können, wie Zschäpe damals vom Tod ihrer Gesinnungsgenossen erfuhr. Am 5. Februar hatten Fahnder André K.s Wohnung durchsucht und den Rechtsextremisten vernommen. Der lieferte ihnen jedoch eine plausibel klingende Erklärung für seine Anwesenheit in der Nähe des Tatorts: Am fraglichen Tag sei er mit seinem Vater in der Nähe von Eisenach unterwegs gewesen, wegen eines Autokaufs. Möglicherweise habe sich sein Handy von der Autobahn aus in die betreffende Funkzelle eingebucht. Vom Tod der beiden Ex-Kameraden – zu denen er seit Jahren keinen Kontakt mehr gehabt habe – will K. erst später aus den Medien erfahren haben. Damit, so heißt es in Ermittlerkreisen, habe sich der Verdacht gegen ihn zunächst "relativiert"; allerdings sei die Auswertung der bei K. sichergestellten Beweismittel noch in vollem Gange.

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