Zehn Jahre nach Beginn des Irak-Krieges hat Amerika keinen einzigen bedeutenden Ölvertrag mit Bagdad mehr. Von der irakischen Regierung unter Druck gesetzt, will der US-Multi ExxonMobil seine Beteiligung an West Kurna-1, einem der größten Ölfelder der Welt, aufgeben. Interesse an der Übernahme des 50 Milliarden Dollar teuren Investments zeigt der chinesische Energieriese PetroChina: "Exxon hat seinen Anteil zum Verkauf angeboten. PetroChina ist zweifellos einer der aussichtsreichsten Kandidaten", so Thamir Ghadban, Chefberater des irakischen Ministerpräsidenten: "Die Zeit ist günstig für eine Übernahme. Sie könnte schon Anfang Januar erfolgen." Exxons Rückzug aus dem ölreichen Südirak ist nicht freiwillig erfolgt. Er ist vielmehr eine Konsequenz der Geschäfte des US-Konzerns im kurdischen Norden des Landes: Bagdad duldet keine Separatverträge ausländischer Ölfirmen mit den autonomen Kurden. Die USA, die einst beschuldigt wurden, im Irak einen Ressourcenkrieg geführt zu haben ("Blut für Öl"), spielen künftig in dem rohstoffreichen Land wohl nur noch eine schwindende Rolle. China nutzt diese Schwäche - und setzt sich dabei über die Iraker hinweg: Während PetroChina in Bagdad auf den Exxon-Rückzug spekuliert, bohrt Sinopec im kurdischen Norden nach Öl.
Sie wollen wissen, was in der neuesten SPIEGEL-Ausgabe steht? Dann melden Sie sich jetzt einfach für den SPIEGEL-Brief an. Die Chefredaktion des Magazins informiert Sie persönlich und kostenlos per E-Mail.
Sie wollen den neuen SPIEGEL jetzt sofort lesen?
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH