Clausewitz-Gesellschaft ehrt Kriegsverbrecher


Die Clausewitz-Gesellschaft hat enge Verbindungen zur Bundeswehr – und offenbar eine Schwäche für Kriegsverbrecher. Im Oktober lehnte die Mitgliederversammlung einen Antrag ab, sechs ehemalige Wehrmachtgeneräle von der Liste der Ehrenmitglieder zu streichen. Zu diesen Offizieren zählt Erich von Manstein, Generalfeldmarschall im Nazi-Reich und als Kriegsverbrecher verurteilt. Die Tagung Ende Oktober fand in Räumen der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg statt, ein Grußwort zum sicherheitspolitischen Teil kam vom damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Bei der Abstimmung gab es acht Enthaltungen, aber keine Stimme für die Aberkennung der Ehrenmitgliedschaft.

Die Vereinsoberen sehen sich dennoch als Kämpfer gegen Revisionisten in den eigenen Reihen. Unter den Clausewitz-Mitgliedern finden sich auch aktive Gesinnungstäter, etwa Olaf Rose, Historiker und 2012 NPD-Bundespräsidentschaftskandidat. Den Antragstellern sei es, heißt es aus der Vereinsspitze, eigentlich darum gegangen, den Paragrafen 2 der Vereinssatzung wieder einzuführen. Dort stand: "Die Clausewitz-Gesellschaft will das geistige Erbe des deutschen Generalstabs weitertragen" – also auch der Wehrmacht.

Warum aber die Ehrentitel nicht entzogen wurden? Die Ehrungen seien im damaligen Kontext zu sehen, so Clausewitz-Sprecher Wolfgang Fett. "Der heutige Vorstand würde den genannten Personen keine Ehrenmitgliedschaft verleihen."



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