Cromme lehnt Rücktritt als ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef kategorisch ab

Der in die Kritik geratene ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme denkt nicht daran, persönliche Konsequenzen wegen der Milliardenverluste und Luxusreisenaffäre des Konzerns zu ziehen. "Ich bin keiner, der vor Verantwortung wegläuft", sagte Cromme in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Ich werde nicht zurücktreten." Cromme verteidigt den überraschenden Rausschmiss von drei ThyssenKrupp-Vorständen vor zwei Wochen. Nach einem Verlust von rund fünf Milliarden Euro habe der Aufsichtsrat den Weg für einen Neuanfang unter ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger freimachen wollen. Schwere Vorwürfe erhebt der Aufsichtsratschef gegenüber dem alten ThyssenKrupp- Management. Die Prognosen für zwei Stahlwerke in den USA und Brasilien, so Cromme, seien über Jahre hinweg "viel zu optimistisch" gewesen und hätten sich schließlich als "falsch" herausgestellt. Hinzu kamen "Fehler im Projektmanagement", von denen "uns der zuständige Vorstand bis zum Jahr 2008 nichts gesagt" hat. Der Aufsichtsrat bekam "immer nur die Information, dass alles in bester Ordnung sei". Ein Eingreifen des Aufsichtsrats, so Cromme zu der Kritik an seiner Person, sei aus seiner Sicht deshalb nicht möglich gewesen. Noch im Dezember 2010 habe der alte Vorstand behauptet, dass "2011/12 mit den Werken in Alabama und in Brasilien ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht" würde. "Tatsächlich", so Cromme, "haben wir dann zweimal hintereinander eine Milliarde Euro Verluste geschrieben." Besorgt über die Entwicklungen im Konzern ist auch Berthold Beitz, der die Krupp- Stiftung führt, die 25 Prozent an ThyssenKrupp hält. Auf eine Anfrage des SPIEGEL teilte Beitz dem Nachrichten-Magazin mit: Die Juristen müssten nun beurteilen, ob das ThyssenKrupp-Management den Aufsichtsrat getäuscht habe. "Was ich fühle, ist eine große Enttäuschung über die eingetretene Entwicklung", so der 99-Jährige.

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