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Debatte um Psychiatrie - Experten warnen vor Ausweitung von Diagnosen

Um das neue Klassifikationssystem der psychischen Störungen, das im Mai veröffentlicht werden soll, ist eine Debatte entbrannt. Gesundheitsexperten warnen, die fünfte Auflage des "Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen" (DSM-5) könnte normale Verhaltensweisen zu seelischen Störungen erklären. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagt: "Das DSM-5 treibt die weltweite Psychiatrisierung von außergewöhnlichen Verhaltensweisen voran. Psychiater und pharmazeutische Firmen produzieren mehr Kranke, um mehr Geld zu verdienen."

Harald Terpe (Grüne), Obmann des Gesundheitsausschusses des Bundestags, befürchtet, dass das DSM-5 die Verwandlung der Kindheit in eine Krankheit noch weiter treiben könnte. "Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier gesellschaftlich nicht erwünschtes Verhalten von Kindern pathologisiert wird", sagt Terpe, studierter Mediziner und sechsfacher Vater. "Die Leidtragenden sind die Kinder, denen suggeriert wird, sie seien nicht ,normal' und könnten nur mit Medikamenten richtig funktionieren", sagt Terpe. Und weiter: "Die pharmazeutische Industrie unterstützt leider diesen Trend, indem sie Psychopharmaka als schnelle und einfache Lösung bewirbt und die erheblichen Risiken verschweigt."

Auch Andreas Heinz, der die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité leitet, mahnt zur Vorsicht: "Es ist falsch, alle möglichen Befindlichkeitsstörungen mit einem Krankheitsbegriff zu belegen."

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