Dena-Chef Kohler fordert radikale Reform der Ökostromförderung


Stephan Kohler, Chef der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena), fordert die Bundesregierung auf, die derzeitige Förderung von erneuerbaren Energien so schnell wie möglich zu beenden. "Jede neue Photovoltaik- oder Windenergieanlage, die wir nicht sinnhaft integrieren können, hat im System einen negativen Effekt", sagt Kohler im Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Die aktuellen Auswirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bezeichnet er als "Wahnsinn": "All denen, die von diesem Wohlfühl-Gesetz profitieren, müssen wir jetzt sagen: Liebe Leute, so geht es nicht weiter!" Der Zubau bei Solar- und Windkraft müsse mit dem Ausbau des Gesamtsystems synchronisiert werden, "sonst geht die Energiewende schief", so Kohler im SPIEGEL weiter.

Konkret schlägt er vor, die Photovoltaik nur noch dort auszubauen, wo sie gebraucht wird und wo es Netze gibt, die den Strom aufnehmen können. Die Netzbetreiber sollten dazu einen Kataster freier Netzkapazitäten erstellen. Der Ausbau der Windkraft in Nord- und Ostsee müsse ebenfalls an den Ausbau der Netze und Stromtrassen gekoppelt werden. "Mein Vorschlag ist: Wir lassen den Zubau von Windenergie nur dann zu, wenn die Trassen wirklich stehen", so Kohler im SPIEGEL-Interview. Die Betreiber von Ökostromanlagen sollten künftig stärker gezwungen werden, ihren Strom selbst zu vermarkten, nach dem Motto: "Lass dir was einfallen, sonst bleibst du darauf sitzen, und dann gibt’s auch keine Förderung."



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