Deutschland will bei der Nitratbelastung tricksen


Deutschland will mehr Messstellen für die Nitratbelastung des Bodens einrichten - allerdings nicht, um die Umweltbelastung genauer zu erfassen, sondern um ohne weitere Maßnahmen die durchschnittliche Nitratbelastung für die Statistik zu senken. Dies geht aus einem internen Vorschlag der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser hervor. Darin wird empfohlen, die Anzahl der Messstellen in Deutschland von 162 auf 700 zu erhöhen, und zwar vor allem außerhalb jener landwirtschaftlichen Gebiete, die aufgrund intensiver Düngung der Felder besonders belastet sind. Der Trick würde die Durchschnittswerte deutlich verbessern, wie eine Berechnung der Arbeitsgemeinschaft am Beispiel Niedersachsens zeigt. Im bisher verwendeten Netz weisen 71 Prozent der Messstellen eine Überschreitung des Grenzwerts auf, im nun vorgeschlagenen, deutlich größeren wären es nur noch 38 Prozent. Die Vorsitzende des Umwelt-Ausschusses des Bundestags, Bärbel Höhn (Grüne), kritisierte den Vorschlag. "Deutschland wird sein gravierendes Nitratproblem nicht dadurch lösen, dass es nur an den wenig belasteten Stellen misst." Zu viel Nitrat verursache hohe Kosten und schade der Umwelt.



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