Goldman-Sachs-Banker Dibelius prophezeit seiner Branche "schmerzhafte Selbsterkenntnis" und "bittere Konsequenzen"

Die Aufarbeitung der Finanzkrise sei in vollem Gange, sagt Goldman-Sachs-Europa- Statthalter Alexander Dibelius in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL: "Schmerzhafte Selbsterkenntnis und entsprechend bittere Konsequenzen können da nicht ausbleiben." Vieles habe sich bereits geändert: "Wir Banken halten mehr Eigenkapital vor. Mehr Liquidität. Die Zeiten 25-prozentiger Renditeansprüche, wie sie hier und da formuliert wurden, sind unwiederbringlich vorbei", so Dibelius, der weiß, dass seine eigene Branche, das Geschäft der Investmentbanken, ebenso wie sein eigenes Haus im Umbruch begriffen ist: "Wir hatten in der Spitze mal rund 35.000 Mitarbeiter, zur Zeit sind es noch etwa 32.000. Damit haben wir uns nach unserer Ansicht zunächst ausreichend auf die neuen Verhältnisse eingestellt. Aber niemand kann ausschließen, dass weitere Personalmaßnahmen notwendig werden."

Angesprochen auf das miese Image seiner Zunft, sagte der 53-Jährige: "Wir sagen nicht, dass wir keine Fehler gemacht haben. Ich sehe sie nur in einer anderen Dimension, nicht unbedingt in der von justitiablem Fehlverhalten, sondern in einer moralischen", so Dibelius. "Nicht alles, was gemacht werden darf, muss auch gemacht werden." Dass es auch seinen schärfsten Kritikern, der Occupy-Bewegung, schon mal besser ging, erfüllt Dibelius mit wenig Mitgefühl: "Occupy war eher Ausdruck einer zeitgeistigen Event-Philosophie. Die kritische Auseinandersetzung mit unserer Industrie war da doch sehr oberflächlich und Folie für alte Ressentiments."

DER SPIEGEL

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