Fragwürdige Rüstungsgeschäfte: Neue Dokumente bringen BDI-Chef Grillo in Bedrängnis


Der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, war offenbar tiefer in fragwürdige Rüstungsgeschäfte seines früheren Arbeitgebers eingebunden als bislang bekannt. Vor vier Wochen hatte der BDI-Boss erklärt, er habe von Schmiergeldern bei Waffenverkäufen des Rüstungskonzerns STN Atlas Elektronik an Griechenland nichts gewusst. In seiner gehobenen Position sei er nicht in das "Projektgeschäft" eingebunden gewesen. Nun aber liegen dem SPIEGEL Dokumente vor, die ein anderes Bild zeichnen: Demnach erhielt Grillo als Chef der STN Atlas zwischen Januar 2000 und Sommer 2001 alle drei Monate einen detaillierten und an ihn adressierten Bericht über die Griechenland-Aktivitäten seines Konzerns. Verfasser war der damalige STN-Atlas- Repräsentant Panagiotis Efstathiou. Gegen ihn ermittelt die Athener Staatsanwaltschaft wegen Bestechung. Er soll unter anderem den für Rüstungseinkäufe zuständigen Beamten im Athener Verteidigungsministerium mit 1,5 Millionen Euro geschmiert haben, um an zwei Auf träge zu gelangen. Beide Geschäfte liefen, als Grillo der STN Atlas vorstand. Brisant für den heutigen BDI-Chef: In einem der an ihn adressierten Quartalsberichte ("Dear Mr. Grillo") vom 30. Juni 2000 erwähnt sein Griechenland-Statthalter ein Treffen zwischen Grillo und zwei weiteren Atlas-Managern mit eben jenem Beamten aus dem Verteidigungsministerium, "Dr. A. Kantas", den Efstathiou bestochen haben soll. Dabei sei es um "Status und Priorität laufender Projekte von STN Atlas in Griechenland" gegangen. Was genau besprochen wurde, sagt der Bericht jedoch nicht. Auf Anfrage erklärt Grillo nun, er könne sich nach fast 14 Jahren nicht mehr erinnern, ob er die Quartalsberichte aus Athen zur Kenntnis genommen habe. Auch an seine Gesprächspartner bei der Reise nach Griechenland kann sich Grillo nicht erinnern. Es sei aber nicht unüblich, dass man "den obersten Beschaffer zu einem Höflichkeitsbesuch aufsucht". Er bleibe dabei: "Von angeblicher Korruption hatte ich keine Kenntnis." In Bremen und in Athen ermitteln die Staatsanwälte seit Monaten gegen frühere Atlas- Manager wegen Bestechung, Steuerhinterziehung und Untreue. Grillo ist nicht darunter.



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