Doppel-Chefredakteur Vorkötter fiel nach Döpfner-Interview bei Verleger Neven DuMont in Ungnade


Dem Rauswurf von Doppel-Chefredakteur Uwe Vorkötter, 58, bei der "Berliner Zeitung" und der "Frankfurter Rundschau" ging offenbar ein Zerwürfnis mit dem Verleger Alfred Neven DuMont, 85, voran. Vorkötter hatte im November in seinen Blättern viel Platz für ein Interview mit Springer-Chef Mathias Döpfner freigeräumt. Auf den aber ist Neven DuMont nicht gut zu sprechen. Der greise Verleger soll immer noch erbost darüber sein, dass "Bild" einst über den Familienstreit zwischen ihm und seinem Sohn Konstantin ausführlich berichtet hatte. Dass Vorkötter danach Döpfner eine große Bühne bot, soll Neven DuMont als Vertrauensbruch empfunden haben. Nach dem Interview habe Vorkötter kaum noch einen direkten Draht zu dem Patriarchen gefunden, erzählen Verlags-Insider. Der Verleger führte später Gespräche über Vorkötters Nachfolge, auch mit externen Kandidaten. Für weiteren Groll des Verlegers, der auch als Romancier aktiv ist, sorgte eine Lesereise nach Hamburg - wenige Tage nach dem Interview. Dort stellte Neven DuMont sein neues Buch "Vaters Rückkehr" vor - und weder die Springer-Zeitung "Hamburger Abendblatt" noch "Bild" berichteten, nur die "Welt" rang sich ein paar Zeilen ab. Neven DuMont schrieb daraufhin einen zornigen Brief an Döpfner, in dem er sich beschwerte, nicht ohne Verweis auf den Platz, den die "Berliner Zeitung" Döpfner geboten hatte. Der Zorn des Alten soll erst abgeebbt sein, als Döpfner sich später für einen Text Neven DuMonts zum 100. Geburtstag Axel Springers - wiederum in der "Berliner Zeitung" - bedankte. Vorkötters Nachfolger in Berlin wird nun seine Stellvertreterin Brigitte Fehrle. Bei der "Frankfurter Rundschau" soll Arnd Festerling Chefredakteur werden. Der Verlag wollte weder Briefwechsel noch Personalie kommentieren.



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