Dramatischer Versorgungsengpass bei Krebsmedikament

Krebsmediziner befürchten in Deutschland einen dramatischen Engpass in der Versorgung mit dem Zytostatikum 5-Fluorouracil (5-FU), dem weltweit am häufigsten verwendeten Krebsmittel, das vor allem gegen Darm- und Brustkrebs eingesetzt wird. Von den sechs in der "Roten Liste" aufgeführten Anbietern des Mittels ist derzeit nur noch der norddeutsche Pharmahersteller Medac lieferfähig – in kleinen Mengen. "Die Situation macht uns Apothekern langsam Angst", sagte Torsten Hoppe-Tichy, Leiter der Apotheke des Universitätsklinikums Heidelberg und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker, dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir gravierende Probleme bekommen", konstatierte Wolf-Dieter Ludwig, Onkologe und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Vergangenen Herbst hat der israelische Generika-Konzern Teva, mit einem Umsatz von mehr als 16 Milliarden US-Dollar die Nummer eins im weltweiten Generika-Geschäft, die Produktion von 5-FU in seinem Werk im holländischen Haarlem aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Zuvor hatte er jährlich 200.000 Ampullen 5-FU nach Deutschland geliefert, das ist ein knappes Drittel des Jahresbedarfs."

Doch die Abnehmer in Deutschland zahlten 2011 im Schnitt nur noch 3,90 Euro für eine Flasche", sagte Teva- Deutschland-Chef Sven Dethlefs. "Damit kann man ein steril gefertigtes Produkt dieser Art nicht wirtschaftlich vermarkten." Mit den freigewordenen Kapazitäten des Werks in Haarlem werden jetzt andere, rentablere Krebsmedikamente produziert. Viel besser sieht es auch für den FU-Hersteller Medac nicht aus. "Die Produktion von 5-FU ist auch für uns nicht mehr profitabel", sagte Geschäftsführer Nikolaus Graf Stolberg. "Aber wir verfolgen eine andere Strategie am Markt: Wir wollen unseren Kunden ein möglichst breites Portfolio anbieten, dabei nehmen wir auch in Kauf, dass einzelne Präparate nicht mehr profitabel sind."

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