Dresdener Stadtradt will keine Straßen nach Opfern rechter Gewalt benennen

Drei Jahre nach dem Mord an Marwa al-Schirbini im Dresdner Landgericht belastet ein Streit im Stadtparlament das Gedenken. Ein breites Bündnis wollte eine Straße nach Marwa al-Schirbini benennen – dahinter standen unter anderen der Rektor der Technischen Universität, der Direktor eines Max-Planck-Instituts sowie SPD, Grüne und Linke. Der Chef der Dresdner CDU-Fraktion, Georg Böhme-Korn, sagte nun, eine solche Straße sei ein "Fanal der Schande". Anlass für die Äußerung war ein Streit Böhme-Korns mit den Grünen. Die hatten beantragt, in Dresden einen Guernica-Platz zu schaffen, in Erinnerung an die von deutschen Soldaten 1937 zerstörte spanische Stadt. Böhme-Korn sagte, hinter diesem Wunsch stehe die Strategie der Grünen, "Dresden mit einem Netz der Schande zu überziehen". Das habe mit Jorge Gomondai begonnen und sich mit Schirbini fortgesetzt. Der Mosambikaner Gomondai starb 1991 bei einem Angriff von Neonazis in einer Dresdner Straßenbahn. Demokratievereine und Opposition kritisieren Böhme-Korns Äußerungen. Sie seien "ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Familie", so Grit Hanneforth von der Initiative Kulturbüro Sachsen. "Die Stadt darf das nicht hinnehmen", meint der Dresdner Grünen-Vorstand Michael Schmelich. Böhme-Korn selbst sagt, er habe die Opfer nicht beleidigt, sondern sich nur dagegen ausgesprochen, Dresden durch "Schandplätze" bloßzustellen. "Mir ist nicht bekannt, dass in Guernica eine Straße nach Dresden benannt wurde." Die Forderung der Grünen nach einem Guernica-Platz wurde im Stadtrat abgeschmettert. Nachdem CDU-Fraktionschef Böhme-Korn die Idee im Vorfeld abgelehnt hatte, fand sich keine Abgeordnetenmehrheit. Zwei Stimmen gaben letztlich den Ausschlag. Sie kamen von der NPD.

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