Ecowas-Präsident fordert Einsatz deutscher Soldaten in Mali


Der Anführer der wichtigsten islamistischen Terrorgruppe in Mali ist ein alter Bekannter der deutschen Bundesregierung und galt in Berlin lange Zeit als verlässlicher Gesprächspartner. Iyad Ag Ghali, der heute die radikalislamistischen Kämpfer der Gruppe Ansar al-Din anführt und wichtigster Kommandeur der Terrorgruppen in Mali ist, hat 2003 auf Bitten der Bundesregierung Verhandlungen mit algerischen Geiselnehmern geführt. Die Islamisten hatten im Februar und März 2003 europäische Touristen entführt. Nach monatelangen Verhandlungen erreichte Ag Ghali einen Deal, der 14 Touristen, darunter 9 Deutschen, die Freiheit brachte. Im Gegenzug flog der damalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, an Bord einer Bundeswehr-Challenger mit einem Lösegeld von fünf Millionen Euro nach Bamako. Ag Ghali übernahm die Übergabe des Geldes an die Entführer, die zur algerischen Gruppe GSPC gehörten. Ein ehemaliger Spitzenbeamter der deutschen Regierung sagte dem SPIEGEL, Ag Ghali sei "unser Mann" gewesen. Nach Erkenntnissen des BND ist die von Ag Ghali geleitete Ansar al-Din heute mit rund 1500 Kämpfern die größte Gruppe islamistischer Aufständischer in Mali. Bis vor kurzem hatte die Regierung in Bamako gehofft, sie könnte über Ag Ghali Verhandlungen mit den Islamisten führen, die Gespräche wurden allerdings nach dem Vorstoß der Aufständischen in den Süden Malis abgebrochen. Nach Erkenntnissen des BND hat es sich um Scheinverhandlungen gehandelt; der Rebellenanführer habe sich damit gebrüstet, die Verhandlungen nur geführt zu haben, um Zeit für die militärische Offensive zu gewinnen. Unterdessen forderte der derzeitige Vorsitzende der Ecowas und Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, bei einem Besuch in Berlin einen größeren deutschen Beitrag in der Mali-Krise: "Deutschland muss sich mehr engagieren. Ich meine, auch mit Truppen", sagte er dem SPIEGEL. Ängste, Mali könne zu einem zweiten Afghanistan werden, möchte er zerstreuen: "Ich sehe keine Parallelen." Der radikale Islam habe in Mali keinen Rückhalt in der Bevölkerung. "Es gibt nur wenige Terroristen in Mali. Die meisten sind Ausländer." Auch gebe es kein Land in der Umgebung, das – wie Pakistan die afghanischen Taliban – die Fanatiker heimlich unterstütze.



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