Fifa-Boss Blatter nahm Einfluss auf Reformbericht des Antikorruptionsexperten Pieth


Fifa-Präsident Joseph Blatter hat Einfluss auf den Abschlussbericht des Schweizer Antikorruptionsexperten Mark Pieth genommen. Dies geht aus vertraulichen Unterlagen hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. Pieth hatte als Vorsitzender eines unabhängigen Governance-Komitees bis Ende 2013 knapp zwei Jahre lang die Fifa durchleuchtet und am 22. April 2014 einen Bericht veröffentlicht, in dem er Blatter als Befürworter der Reformen bezeichnete. Nun zeigt sich: Knapp zwei Monate zuvor, am 27. Februar, hatte Pieth dem Fifa-Chefjuristen Marco Villiger bereits eine 15 Seiten umfassende vorläufige Version seines Reports nach Zürich geschickt. In dieser Version, die den Vermerk "Confidential" trug, war Blatter mehrmals im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal der Fifa rund um die ehemalige Rechteagentur ISL erwähnt worden. Am 13. März schickte Villiger mit Kenntnis Blatters eine bearbeitete Version mit 37 Anmerkungen an Pieth zurück. Der Fifa-Chefjurist strich dabei zwei längere Passagen ersatzlos. In einer ging es um Blatters Führungsverantwortung während der ISL-Affäre, in einer anderen um seine mögliche Mitwisserschaft in dem Skandal. In Pieths Abschlussbericht fehlen exakt diese Blatter-kritischen Passagen. Pieth bestätigte gegenüber dem SPIEGEL, dass er eine vorläufige und vertrauliche Version an die Fifa-Führung geschickt habe. Dies sei ein "ganz normaler Vorgang". Er sei nicht "ferngesteuert" gewesen. Die Fifa antwortete in einer Stellungnahme: "Von einer unlauteren Einflussnahme kann keine Rede sein."



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