"Financial Times Deutschland" droht das Aus


Die Tage der gedruckten Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" ("FTD") sind offenbar gezählt. Am Mittwoch dieser Woche will der Vorstand des Hamburger Verlags Gruner + Jahr dem Aufsichtsrat seine Ideen für die Zukunft der chronisch verlustbringenden Wirtschaftsmedien ("FTD", "Capital") vorstellen. Das Konzept eines schrittweisen Umzugs der "FTD" ins Internet, das die Printausgabe fürs Erste erhalten hätte, sollen Deutschland-Chefin Julia Jäkel und ihre Kollegen abgelehnt haben, weil sie an den Zahlen zweifeln. Vergangene Woche wurden nun neue Szenarien aufgeworfen. Die gedruckte "FTD" spielt darin dem Vernehmen nach keine Rolle mehr. Eine Variante sieht vor, dass der Verlag nur noch "Capital" weiterführt. Das Magazin würde in Berlin gemacht und neu positioniert: Gedacht sei an eine stärkere politische Ausrichtung. Jäkel, heißt es im Haus, wolle "Capital" als eine der Gründungsmarken des Verlags erhalten. Selbst ein Überleben der "FTD" als Online-Ausgabe sieht man im Gesellschafterkreis eher skeptisch. Eigentlich hätte der Vorstand am vergangenen Freitag eine Entscheidungsvorlage für den Aufsichtsrat abschicken sollen, sah sich dazu aber wegen der noch laufenden Diskussion nicht in der Lage. Selbst wenn es am Mittwoch zu einer Entscheidung im Aufsichtsrat käme, müssen die Familie Jahr und Bertelsmann als Gesellschafter zustimmen. In Gütersloh müsste die Entscheidung den Aufsichtsrat des Konzerns passieren – eine Sitzung ist für den 30. November vorgesehen.



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