Funktionäre des Bundes der Vertriebenen haben in den fünfziger und sechziger Jahren als Agenten für den Geheimdienst gearbeitet


Der Bund der Vertriebenen (BdV) muss sich seiner Geschichte stellen: Es geht um die Kooperation von Vertriebenenfunktionären mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dessen Vorläufer, der Organisation Gehlen. Der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom ist in CIA-Unterlagen auf entsprechende Belege gestoßen. Danach wurden gezielt Vertriebene rekrutiert, weil diese Land und Leute hinter dem Eisernen Vorhang kannten, oft mehrsprachig waren und die Sowjetunion meist hassten. So war Rudolf Lodgman von Auen, langjähriger Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) und 1958 Mitglied im ersten BdV-Präsidium, zeitweilig Agent und hat andere Vertriebene geworben. Laut CIA-Angaben nutzte der Geheimdienst in Absprache mit der SL-Führung den Sudetendeutschen Pressedienst und ab 1955 das Sudetendeutsche Archiv als "Tarnorganisationen". Auch zahlreiche andere Spitzenvertriebene – etwa das Mitglied der SL-Bundesversammlung Franz Karmasin oder der stellvertretende Vorsitzende der Landsmannschaft Weichsel-Warthe Ludwig Wolff – arbeiteten als hauptamtliche Mitarbeiter oder V-Leute. Eine Studie belegte erst kürzlich, dass beinahe das gesamte Führungspersonal des BdV der ersten Jahre eine Nazi-Vergangenheit hatte.



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