Aigner will Ländern mehr Rechte bei Genanbau einräumen

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will den Bundesländern künftig das Recht einräumen, selbst über den Abstand von Gen-Anbauflächen zu anderen Äckern zu entscheiden. Gerade Länder mit kleinen Ackerflächen wie Bayern könnten so den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen komplett unterbinden. "Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, den Bundesländern mehr Mitbestimmung beim Anbau von Gentechnik zu ermöglichen. Das bleibt mein Ziel", sagte Aigner dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Leider ist die FDP von dieser gemeinsamen Vereinbarung abgerückt." Mit ihrem Vorhaben will Aigner die grüne Gentechnik in Deutschland insgesamt in Frage stellen. "In Deutschland und in weiten Teilen Europas gibt es keine Akzeptanz für Gentechnik in Lebensmitteln und auch keine Notwendigkeit, grüne Gentechnik in der Praxis einzusetzen", sagte die Ministerin. Eine von ihrem Ministerium beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag gegebene Studie bestätigt dies. Danach lehnen 83 Prozent aller Deutschen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Protest gegen Aigners Vorhaben kommt aus der FDP. "Wachstum und Wohlstand sind nur zu erreichen, wenn wir modernen Technologien gegenüber aufgeschlossen sind", sagte FDP-Chef Philipp Rösler dem SPIEGEL. Ähnlich urteilt die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Christel Happach-Kasan. "Aigners Nulltoleranz ist der falsche Weg." Unterstützung erhält Aigner dagegen vom Handelskonzern Rewe. Man wolle nicht "zu einer Verunsicherung des Verbrauchers beitragen", sagte ein Sprecher des Konzerns. Um sich unabhängiger vom südamerikanischen Soja zu machen, wolle Rewe zudem bei den Eigenmarken langfristig auf nachhaltigere europäische Eiweißfutterquellen achten.

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