Generalbundesanwalt Range sieht besondere Schwere der Schuld bei Zschäpe

Generalbundesanwalt Harald Range geht davon aus, dass bei der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe eine besondere Schwere der Schuld vorliege. "Angesichts des Anklagevorwurfs" stehe diese Frage "natürlich im Raum", sagte Range dem SPIEGEL.

"Sie hat alle Morde mitgetragen." Der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU), dem neben den verstorbenen Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die jetzt unter anderem wegen zehnfachen Mordes angeklagte Beate Zschäpe angehört habe, habe "alles gemeinsam geplant, organisiert und letztendlich durchgeführt". Bildlich gesprochen, so Range, könne man sagen: "Zwei Menschen haben getötet, und die dritte Person hat ‚Schmiere' gestanden". Als Drahtzieherin bezeichnete Range Zschäpe dagegen nicht ausdrücklich: Seine Überzeugung sei, dass sie "gleichrangig agierte".

Range räumte ein, dass die Ermittlungen unter einer großen gesellschaftlichen Erwartung geführt werden mussten. "Ja, die spüren wir sehr stark, nicht nur bei den Opfern und ihren Angehörigen", so der Generalbundesanwalt. "Wir mussten uns davon frei machen." Er denke, dass die Ermittlungen "wieder Vertrauen in den Staat schaffen können". Allerdings sei es "auch nicht falsch" gewesen, dass man in der Vergangenheit "das Umfeld der Opfer intensiv untersucht hat". Heute könne man "Verschwörungstheorien aller Art ausschließen", so Range: "Die Organisierte Kriminalität hat keine Rolle gespielt. Der NSU hatte keine Verbindung zu anderen Gruppierungen."

Bei ihren "intensiven Ermittlungen" sei seine Behörde dem Kern des NSU "ziemlich nah" gekommen. Spekulationen, ob es noch andere Morde und Banküberfälle gab oder weitere Mitglieder und ein breiteres Unterstützernetz, habe man damit "den Boden entzogen", so Range. Im SPIEGEL äußerte sich Range auch zu einer möglichen Sicherungsverwahrung für Zschäpe: "Wir haben in der Anklageschrift dargelegt, dass die formellen Voraussetzungen für die Sicherungsverwahrung vorliegen."

Auch nach Abschluss der Ermittlungen bleibe es dabei, dass es kaum Verbindung zwischen der rechten Terrorszene und der NPD gegeben habe. Range: "Der NSU war nicht der bewaffnete Arm der NPD."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback