Gruner + Jahr erwägt Rückzug aus China


Mitte Januar noch verkündete der Medienkonzern Bertelsmann stolz, sein Wachstum in China voranzutreiben. Das Geschäft der Zeitschriftentochter Gruner + Jahr (G+J) war damit offenkundig nicht gemeint. Der Hamburger Verlag gibt seit 2006 zusammen mit dem chinesischen Partner Boda diverse Frauen-, Eltern- und Lifestyle-Magazine heraus. Doch nun erwägt G+J nach Angaben aus Verlagskreisen den Rückzug. Die Bertelsmann- Managerin Annabelle Yu Long, in dem Gütersloher Konzern für das China-Geschäft verantwortlich, soll nach einem Käufer für den G+J-Anteil von rund 50 Prozent Ausschau halten. Im Verlag heißt es, man prüfe alle Optionen. Einen offiziellen Verkaufsprozess gibt es bisher nicht.

Bei G+J galt der chinesische Zeitschriftenmarkt bis vor kurzem als große Wachstumshoffnung, noch dazu als hochprofitable. Die Erlöse stiegen jedes Jahr um rund 20 Prozent, mit etwa 100 Millionen Euro Umsatz ist G+J die Nummer zwei der Magazinverlage in China. Im vergangenen Jahr aber brach der auf G+J entfallende Gewinn von über 10 Millionen auf geschätzte 7 Millionen Euro ein, auch weil sich die chinesische Konjunktur abkühlte. Zudem meiden wichtige japanische Werbekunden chinesische Medien, seit sich beide Länder in einem Inselstreit verhakt haben.

Mit einem Verkauf des China-Geschäfts würde G+J seinen Schrumpfkurs im Ausland fortsetzen: Die Magazine in Polen und Slowenien wurden bereits veräußert, auch aus Italien würde sich das Hamburger Medienhaus am liebsten zurückziehen. Stattdessen will der Verlag verstärkt in sein Kerngeschäft in Deutschland investieren, hier hat G+J bei der Digitalisierung seiner Magazine Nachholbedarf. Der Bertelsmann-Konzern selbst ist in China vor allem über seinen Fonds Bertelsmann Asia Investments (BAI) aktiv, der sich an Internet-Start-ups beteiligt.



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